Zuckerfreies Kaugummi ... für jung und alt !

Geschichte

Kaugummis gibt es schon sehr lange. So wurden zum Beispiel in der Steinzeit bestimmte Baumharze gekaut. Der erste Kaugummifabrikant war 1848 ein US-Amerikaner mit Namen John Curtis, der ein nordamerikanisches-indianisches Rezept aus Fichtenharz mit Bienenwachs verwendete. Es folgte Thomas Adams, der 1870 den Chicle (wird aus dem Latexsaft des Breiapfelbaumes gewonnen) der Mayas und Azteken zur Kaugummibasis machte und mit Lakritz versetzte. 1891 begann Mr. William Wrigley Jr. seine Kaugummiproduktion. Er wurde der erfolgreichste Kaugummifabrikant der Welt. Das erste zuckerfreie Kaugummi wurde 1975 weltweit von der Firma Leaf auf den Markt gebracht, nachdem Anfang der siebziger Jahre die Bedeutung von Xylit (s.u.) für die Zahnpflege in Finnland erkannt wurde.


Zusammensetzung

Kaugummi kann aus folgenden Stoffen bestehen:
- Kaumasse aus Kunststoff
- 50-60 % Zucker
- Füllstoffe wie Aluminiumoxid, Kieselsäure, Zellulose
- Weichmacher
- außerdem: Feuchthaltemittel, Antioxidantien, Aromen, Säuren, Farbstoffe und Emulgatoren

Bei den zuckerfreien Kaugummis werden statt Zucker Zuckeraustauschstoffe verwendet (s.u.). Mehr als die Hälfte aller auf dem Markt angebotenen Kaugummis ist zuckerfrei. Im Prinzip sind alle zuckerfreien Kaugummis "Zahnputzkaugummis".

Zuckeraustauschstoffe

Zuckeraustauschstoffe schmecken ähnlich wie Zucker, fördern aber keine Karies, da sie von den Mundbakterien schlecht oder nicht zu Säuren abgebaut werden können, sodass keine zahnschädigende Wirkung eintreten kann. Zuckeraustauschstoffe können die Zuckermasse 1:1 ersetzen und haben Kalorien. Ihre bekanntesten Vertreter sind: Sorbit, Xylit, Mannit, Maltit, Isomalt und Lactit.

Xylit

Xylit ist ein in der Natur in vielen Früchten (z.B. Erdbeeren, Himbeeren) und Gemüsen (z.B. Blumenkohl) vorkommender Zuckeraustauschstoff, der zur wirtschaftlichen Nutzung aus Holz gewonnen wird. Xylit hemmt die Entwicklung der Kariesbakterie Streptokokkus mutans, wodurch es zu einem reduzierten Kariesrisiko kommt. Aus diesem Grund ist besonders Xylit für die Herstellung von zuckerfreien Kaugummis interessant. Den größten Effekt haben Kaugummis, die zu 100 % mit Xylit gesüßt sind.

Wirkung

- Ein Kaugummi hält den Mund und Rachenraum feucht und sorgt für frischen Atem
(z.B. wichtig für Menschen mit zu wenig Speichel/Mundgeruch).

- Durch Kaugummikauen wird ein Druck in den Ohren ausgeglichen
(z.B. beim Fliegen/Tauchen).

- Kaugummikauen kann Stress abbauen.


Wirkung auf die Zähne

Ein Kaugummi wirkt vor allem deshalb, weil beim Kauen die Speichelproduktion angeregt wird und dadurch die Speisereste von den Zähnen entfernt und auch die Zahnzwischenräume durchspült werden. Durch den vermehrten Speichelfluss wird die natürliche Remineralisation der Zähne unterstützt und die von den Plaquebakterien aus Zucker produzierte Säure neutralisiert.
Speichel wiederum enthält als wichtige Puffersubstanzen neben anorganischem Phosphat und Proteinen vor allem das Bicarbonat. Dieses schützt die Zähne vor Säureangriffen aus der Nahrung. Als besonders wirkungsvoll gilt zuckerfreies Kaugummi, weil entsprechenden Untersuchungen zufolge dessen neutralisierende Wirkung im Gegensatz zu zuckerhaltigem Kaugummi länger anhält.
Bei einer Studie wurde herausgefunden, dass Kinder, die dreimal täglich in der Schule zuckerfreies Kaugummi kauten, deutlich weniger Kariesbefall aufwiesen als eine Kontrollgruppe, die ohne Kaugummi blieb (s. Kandelman und Gagnon / Oralprophylaxe 25 (2003), Der Einfluss von Kaugummi auf Speichelparameter).
Prof. Dr. Dr. Lutz Stößer (Universität Jena) empfiehlt jungen Eltern regelmäßig zwei bis dreimal am Tag ein Zahnpflegekaugummi mit Xylit zu kauen. Dadurch wird nicht nur ihr eigenes Kariesrisiko gesenkt, sondern auch die Ansteckung ihrer Kinder mit dem Bakterium Streptokokkus mutans um das Fünffache verringert.

Nachteile

Zuckeraustauschstoffe können bei übermäßigem Verzehr zu Blähungen und Durchfall führen. Aus diesem Grund wird bei der Verwendung von Zuckeraustauschstoffen auf den Verpackungen der Hinweis >kann bei übermäßigem Konsum abführend wirken= aufgeführt. Die Unverträglichkeiten sind dabei dosisabhängig und von Person zu Person verschieden. Die meisten Erwachsenen vertragen etwa 30-50g Zuckeraustauschstoffe pro Tag, was etwa 1-2 Kaugummipäckchen entspricht.

Schlussfolgerung

Aus zahnärztlicher Sicht ist das Kauen eines zuckerfreien Kaugummis für 20 Minuten dann zu empfehlen, wenn keine Zahnbürste zur Hand ist. Allerdings kann das Kauen eines Kaugummis das Zähneputzen nicht ersetzen. Kaugummikauen kann immer nur eine Unterstützung sein, um eine gute Mundhygiene zu erzielen, es bleibt aber ohne zusätzliche Zahnpflege, Plaqueentfernung und Fluoridierung nutzlos.